11.02.2020
Facharztweiterbildung

»Ich kann die Rotation in eine Augenarztpraxis uneingeschränkt empfehlen«

Interview mit Assistenzarzt Volkan Tahmaz

Assistenzarzt Volkan Tahmaz bei der Arbeit, Foto: Dorothea Hensen
Assistenzarzt Volkan Tahmaz bei der Arbeit, Foto: Dorothea Hensen

Im Rahmen einer Kooperation unter dem Dach des Augennetzwerks Rheinland integriert das Zentrum für Augenheilkunde der Uniklinik Köln eine optionale sechsmonatige Praxisrotation in die fünfjährige Facharztausbildung zum Augenarzt. In der Praxis soll der Nachwuchs den dortigen Arbeitsalltag kennenlernen und solche Fertigkeiten trainieren, die an einer großen Klinik weniger eingesetzt werden, weil dort weniger Basisversorgung stattfindet als bei niedergelassenen Augenärzten. Assistenzarzt Volkan Tahmaz erzählt im Interview von seiner Zeit im AugenCentrum Erkelenz.

Herr Tahmaz, Sie haben die optionale sechsmonatige Praxisrotation absolviert. Wie kam es dazu und wie funktioniert das genau?

Das Angebot zur Praxisrotation gibt es am Zentrum für Augenheilkunde der Uniklinik Köln seit 2017.  Das Projekt wurde von Priv.-Doz. Dr. Robert Hörster gemeinsam mit Prof. Dr. Claus Cursiefen erdacht und umgesetzt. Vor mir hatten bereits drei Weiterbildungsassistenten jeweils einen Turnus in Erkelenz absolviert. Praktisch läuft es so ab, dass man bei fortlaufendem Arbeitsvertrag mit der Uniklinik Köln sechs Monate Sonderurlaub erhält und in dieser Zeit fest am Augencentrum Erkelenz eingestellt wird. Wegen der täglich langen Sprechstunden in der Praxis hat man dort die Möglichkeit, seine Arbeitswoche relativ flexibel zu gestalten. Zu Beginn der Rotation werden dem Rotationsassistenten reduzierte Sprechstunden einbestellt, um sich in den Alltag dort einfinden zu können, aber ziemlich bald danach sind vier bis sechs Patienten pro Stunde üblich und auch definitiv möglich.

Wie haben Sie den Arbeitsalltag in der Praxis erlebt?

Besonders beeindruckend war die hohe Patientenzahl, die Tag für Tag in der Praxis versorgt wird. An vielen Tagen hatte ich bei Arbeitsende über 60, teilweise sogar mehr als 70 Patienten gesehen, während parallel drei bis vier Kollegen mit ähnlichen Patientenzahlen den Tag beendeten. Die Versorgung einer solchen Zahl von Patienten erfordert ein hohes Maß an Organisation und wird erst durch das Team der medizinischen Fachangestellten möglich. Sie geben den Ärzten durch die Voruntersuchung, die Dokumentation und die Erledigung der formellen Aufgaben die Möglichkeit, sich voll auf das Patientengespräch, die Befunderhebung und die Therapieverordnung zu konzentrieren. Durch diese reibungslose Zusammenarbeit gestaltet sich der gesamte Ablauf der Sprechstunde sehr effizient und zeitökonomisch.

Was sind die größten Unterschiede zur Arbeit in der Uniklinik Köln?

Ein merklicher Unterschied ist mir aufgefallen in der Herangehensweise an den individuellen Fall: Während in der Uniklinik die meisten Patienten mit einer gestellten Diagnose oder einem konkreten Auftrag in entsprechenden Spezialsprechstunden vorgestellt werden, sieht man in der Praxis häufig Patienten, die zunächst einmal mit einer Beschwerde oder einem Symptom vorstellig werden. Man muss lernen, unvoreingenommen an jeden Fall heranzutreten und die Diagnose zu erarbeiten. Hierbei wiederum vermisst man am Anfang das maximale diagnostische Spektrum der Uniklinik, wo mit einem Mausklick jede nur denkbare Untersuchung angeordnet werden kann. Doch unter Anleitung der erfahrenen Kollegen lernt man relativ schnell, wie auch früher sträflich vernachlässigte Untersuchungen – wie beispielsweise der Sehtest mit stenopäischer Lücke – bereits ohne apparative Diagnostik dabei helfen können, die Diagnose einzugrenzen.

Gab es besondere Highlights?

Die gute persönliche Betreuung und Anleitung durch die Fachärzte im Augencentrum sowie das nette Team der medizinischen Fachangestellten waren definitiv ein Highlight der Praxisrotation. Darüber hinaus fanden regelmäßig interne Fortbildungen statt, bei denen neue Entwicklungen und Therapiestandards diskutiert wurden. Gelegentliche Besuche im OP ermöglichten einen Einblick in das ambulante Operieren in der Augenheilkunde.

Welchen Mehrwert hatte die Praxisrotation für Sie persönlich und insgesamt für Ihre Ausbildung?

Ich kann allen Weiterbildungsassistenten in großen Kliniken die Rotation in eine Augenarztpraxis uneingeschränkt empfehlen. Dadurch kann man persönlich einen Einblick in die Patientenversorgung im niedergelassenen Sektor gewinnen und so natürlich einerseits entscheiden, ob eine Tätigkeit in diesem Bereich für die Zeit nach der Weiterbildung in Frage kommt. Andererseits ermöglicht die Praxisrotation aber auch während der weiteren Tätigkeit in der Klinik eine bessere Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen. Beispielsweise kann man viel besser einschätzen, wie ein Arztbrief aussehen muss, um den überweisenden Kollegen die richtigen Informationen für die weitere Behandlung zur Verfügung zu stellen oder welche Folgebehandlungen durch den Hausaugenarzt durchgeführt können und welche nicht.

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