Hornhauterkrankungen und -chirurgie

Durchblick statt getrübte Sicht

Die Hornhaut, im lateinischen Cornea genannt, wird auch als „Windschutzscheibe“ des Auges bezeichnet. Der gewölbte, glasklare vordere Abschnitt der äußeren Augenhaut besteht aus mehreren Zellschichten, die nur etwa einen halben Millimeter dick sind. Die nach außen gerichtete Seite hat Kontakt zur Umwelt, wird kontinuierlich mit Tränenflüssigkeit benetzt und dient als Barriere gegen Keime und Fremdkörper. Der innere Anteil schirmt die vordere Augenkammer ab und erhält die Transparenz der Cornea. Gemeinsam mit der Linse gewährleistet sie eine optimale Lichtbrechung.

Hornhautschäden sind zweithäufigste Erblindungsursache weltweit

Für das Sehen ist die Cornea daher unerlässlich. Eine Schädigung oder eine Trübung der Hornhaut kann zu einer Verschlechterung der Sehfähigkeit führen, im schlimmsten Fall sogar bis zur Erblindung. Hornhautschäden sind die zweithäufigste Erblindungsursache weltweit. Menschen, die an einer Erkrankung ihrer Hornhaut leiden, können im Regelfall nur durch eine Transplantation geheilt werden. Hornhauttransplantationen werden seit mehr als 100 Jahren durchgeführt. Damit sind sie die älteste und erfolgreichste Gewebetransplantation weltweit. Bisher wurde dabei der zentrale Teil der natürlichen Hornhaut komplett ausgetauscht und eine neue Spenderhornhaut eingesetzt und vernäht.

Neue Verfahren der Hornhautchirurgie

Prof. Dr. Claus Cursiefen, seit 2011 Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Augenheilkunde der Uniklinik Köln, implementierte verschiedene neue Operationstechniken, um erkrankte Bereiche der Cornea selektiver und schonender durch Spendermaterial zu ersetzen.

An der Uniklinik Köln wenden wir am häufigsten spezielle neuartige lamelläre Verfahren an, bei denen nur der Teil der Hornhaut durch Spendergewebe ersetzt wird, der seine Funktion nicht mehr erfüllen kann. Der gesunde Anteil bleibt erhalten.

Prof. Dr. Claus Cursiefen

Die bisher am häufigsten verwandte Methode, um eine funktionsunfähige Cornea durch neues Gewebe zu ersetzen, ist die perforierende Hornhauttransplantation (Keratoplastik). Dabei wird die gesamte Augenhornhaut ausgetauscht. Das Transplantat wird mit zwei sehr dünnen Nylonfäden befestigt. Diese Fäden verbleiben bis zu eineinhalb Jahre, um der Augenhornhaut ausreichend Zeit zur Heilung zu geben. Dieser lange Heilungsprozess führt allerdings zu einer sehr langsamen Erholung der Sehschärfe und birgt das Risiko von Komplikationen, zum Beispiel bei der Wundheilung. Auch wenn es einige Erkrankungen gibt, die momentan nur durch eine perforierende Keratoplastik behandelt werden können, kommen seit kurzem überwiegend die neuen Transplantationstechniken zum Einsatz.

Minimalinvasive Verfahren und schnellerer Wundheilungsprozess

Bei der schichtweisen (lamellären) Keratoplastik wird im Gegensatz zum perforierenden Verfahren nur die vordere oder die hintere Zellschicht der erkrankten Hornhaut entfernt. Die Hornhaut des Empfängers und des Spenders wird mit sehr feinen Instrumenten präpariert. Anschließend wird das gesunde Spendergewebe gezielt an die Stelle gesetzt, wo es benötigt wird. Das Transplantat wird mit einem kleinen Faden oder mit Hilfe von Luft fixiert, die in die vordere Augenkammer eingebracht wird und durch Überdruck die beiden Schichten aneinander drückt. „Die lamellären Verfahren sind minimalinvasiv und haben dadurch den Vorteil, dass sie viel schonender für das betreffende Auge sind. Der Wundheilungsprozess ist meist nach wenigen Wochen abgeschlossen. Nach dem Eingriff ist die Sehschärfe des Patienten deutlich höher und es kommt kaum zu Abstoßungsreaktionen“, erläutert Prof. Cursiefen die Vorzüge der neuen Verfahren. Das Auge wird bei einem solchen operativen Eingriff nicht mehr wie bisher großflächig eröffnet, sondern man benötigt nur einen wenige Millimeter kleinen Schnitt. Ist die Hornhaut nicht mehr durchlässig für Licht, beispielsweise als Folge einer Verletzung, kann im Rahmen einer DALK (Deep Anterior Lamellar Keratoplasty) der hintere, nur 15 Mikrometer dünne Bereich der Cornea erhalten bleiben und nur der erkrankte vordere Abschnitt muss durch ein Transplantat ersetzt werden.

Spürbare Verbesserung der Sehschärfe nach wenigen Tagen

Wenn Stoffwechselerkrankungen die hinteren Zellen der Hornhaut schädigen, so dass die Balance zwischen Wasseraufnahme und - abgabe nicht mehr gegeben ist, quillt die Cornea auf und wird trüb. Durch eine DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty) wird gezielt nur dieser Abschnitt der Hornhaut entfernt und durch ein gesundes Spendergewebe ersetzt. Mit einem feinen Instrument wird die Spendermembran in die Augenvorderkammer verbracht. Diese Technik kommt bei verschiedensten Erkrankungen der hinteren Hornhaut zur Anwendung. Ist der vordere Abschnitt vordere Augenkammer eingebracht und mit Luft angedrückt. „Die Hornhäute, die wir aus unserer eigenen Hornhautbank oder von der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation bekommen, werden vor dem Eingriff durch den Operateur per Hand präpariert. Da die innerste Schicht der Hornhaut nur wenige hundertstel Millimeter dick ist, erfordert die Gewinnung des Transplantates sehr viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl“, so Prof. Cursiefen. Mit diesem Verfahren kann zudem das Sehvermögen der Patienten deutlich verbessert werden, denn je dünner das Transplantat, desto höher ist am Ende die Sehschärfe. Und: Die Sehschärfe verbessert sich zum Beispiel nach der DMEK innerhalb von Tagen und nicht wie bei den herkömmlichen Verfahren erst nach Monaten oder gar Jahren. Dies sorgt gerade bei älteren Patienten für eine Verbesserung der Lebensqualität.

Im Jahr 2013 wurden am Zentrum für Augenheilkunde fast 400 Patienten mit einer Keratoplastik versorgt, davon kamen in über 80 Prozent der Fälle die neuen minimalinvasiven Operationstechniken zum Einsatz. Damit zählt die Uniklinik Köln in diesem Bereich zu den führenden Zentren in Deutschland und in Europa.

Stationärer Aufenthalt in unserer Klinik: Kontakt & Terminvereinbarung

Mehr Spenderinnen und Spender gesucht

Eine Grundvoraussetzung für die Transplantation ist die Spendebereitschaft der Bevölkerung. Derzeit warten in Köln über 200 Patienten auf eine neue Hornhaut. Die Cornea ist ein Gewebe, das nicht durchblutet ist. Eine Typisierung wie bei anderen Organen oder Geweben ist deshalb in über 90 Prozent der Fälle nicht notwendig. „Wir arbeiten eng mit den Kollegen aus anderen Fachbereichen der Uniklinik Köln und auch mit anderen Krankenhäusern zusammen, um die Zahl der Hornhautspender zu erhöhen“, so Prof. Cursiefen. „Darüber hinaus erforschen wir die genetischen, biochemischen und physiologischen Eigenschaften der Hornhaut, um mit diesem Wissen eine Bioprothese zu entwickeln. Mit Hilfe solch einer Prothese könnte der Patient im Idealfall seine Hornhaut selbst erneuern.“

Weiterführende Informationen für Zuweiser: Spektrum der chirurgisch und konservativ behandelten Erkrankungen und Kontakt Hornhautbank

Nach oben scrollen